• FGF Research Insights: Award Winners – KSG Best Entrepreneurship Research Award 2025

    24. März 2026

    Im Rahmen der FGF Best Research Paper Awards auf dem G-Forum 2025 in Stuttgart wurden herausragende wissenschaftliche Beiträge im Bereich Entrepreneurship, Innovation und Mittelstand ausgezeichnet.
    In der Reihe „FGF Research Insights: Award Winners“ geben die Preisträgerinnen und Preisträger Einblicke in ihre Forschung, zentrale Erkenntnisse und die Relevanz ihrer Arbeiten für Wissenschaft und Praxis.
    Die Interviews stehen sowohl als Video als auch in schriftlicher Form zur Verfügung.


    KSG Best Entrepreneurship Research Award 2025

    Interview mit Debora Read und Prof. Dr. Andreas Hack (beide Universität Bern); weitere Autorin: Prof. Dr. Sabrina Schell (Berner Fachhochschule)

    In diesem Interview erläutern die PreisträgerInnen ihre ausgezeichnete Arbeit mit dem Titel „On the edges of civic wealth creation: From entrepreneurial spark to civic stewardship“ und geben Einblicke in zentrale Ergebnisse und deren Bedeutung für Forschung und Praxis.

    Video-Interview

    Interview (Textversion)

    Karl Schlecht Stiftung (KSG): Ihre Arbeit trägt den Titel „On the edges of civic wealth creation: From entrepreneurial spark to civic stewardship“. Können Sie uns etwas mehr über das untersuchte Konzept „Civic Wealth Creation“ verraten?

    Debora Read: Civic Wealth Creation beschreibt im Grunde einen Prozess, in dem unterschiedliche Akteure aus der lokalen Gemeinschaft, aus Unternehmen und aus öffentlichen Stellen zusammenkommen, um gemeinsam Lösungen für konkrete Probleme vor Ort zu entwickeln. Dabei geht es nicht nur um wirtschaftlichen Erfolg. Natürlich spielt Wertschöpfung eine wichtige Rolle – aber eben nicht ausschließlich im finanziellen Sinn. Es geht genauso um soziale und ökologische Effekte, zum Beispiel um Lebensqualität, Vertrauen oder den Zusammenhalt in einer Region. Wenn all das zusammenkommt, entsteht (zivil)gesellschaftliche Wertschöpfung im umfassenden Sinn – also nicht nur auf dem Papier, sondern spürbar im Alltag der Menschen vor Ort.

    KSG: Was glauben Sie, warum ist die Entstehungsphase zivilgesellschaftlicher Wertschöpfung bislang so wenig erforscht, obwohl sie entscheidend für den späteren Erfolg der Projekte ist?

    Prof. Dr. Andreas Hack: Wir wissen oft gar nicht genau, wann so ein zivilgesellschaftlicher Wertschöpfungsprozess eigentlich beginnt. Das ist ja kein „Big Bang“, bei dem jemand sagt: Ab heute verbessern wir die Welt. In der Anfangsphase gibt es meistens noch keine offiziellen Partnerschaften, keine ausgefeilten Projektpläne und keine großen Ankündigungen. Vieles passiert informell, im Hintergrund. Menschen probieren etwas aus, führen Gespräche, testen Ideen – oft ohne den Anspruch, gleich etwas Bedeutendes zu schaffen.
    Und genau in dieser Phase liegt das Spannende. Denn hier kann sich der Funke entzünden. Aus einer kleinen, vielleicht ganz pragmatischen, Idee, kann Schritt für Schritt etwas Größeres entstehen – wenn andere dazukommen, die Idee weiterentwickeln und Verantwortung teilen.

    KSG: Welche Rolle spielen einzelne unternehmerische Akteure in den frühen Phasen des Civic Wealth Creation?

    Debora Read: In frühen Phasen sind es oft einzelne Unternehmerinnen oder Unternehmer, die etwas anstoßen. Sie nutzen ihre Handlungsspielräume, setzen eigene Ressourcen ein und testen Ideen, bevor es Förderprogramme oder formale Strukturen gibt und schauen ganz pragmatisch: Funktioniert das hier vor Ort oder nicht? Dieses unternehmerische Denken –, also schnell ins Handeln kommen, auch einmal ein Risiko eingehen, sich flexibel anpassen – macht sie zu wichtigen Impulsgebern. Wichtig ist dabei: Das ist kein Heldennarrativ. Es geht nicht darum, dass eine einzelne Person alles löst. Ihr Beitrag liegt darin, etwas in Gang zu setzen. Damit daraus dann echte gesellschaftliche Wirkung entsteht, braucht es später kollektiv getragene Lösungen und geteilte Verantwortung.

    KSG: Gibt es Rahmenbedingungen die KMUs benötigen, um als Impulsgeber für zivilgesellschaftlichen Mehrwert zu wirken?

    Prof. Dr. Andreas Hack: Ich würde sagen: Kleine und mittlere Unternehmen brauchen nicht unbedingt perfekte äußere Rahmenbedingungen. Die wichtigste Grundlage für gesellschaftlichen Mehrwert schaffen sie oft selbst. Viele dieser Unternehmen sind inhaber- oder familiengeführt. Das heißt: Die Unternehmerinnen und Unternehmer leben mit ihren Familien direkt vor Ort. Sie erleben also ganz konkret, wo es Probleme gibt, was den Menschen wichtig ist und wo vielleicht etwas fehlt. Dadurch sind sie nah dran an den Bedürfnissen der Region – und genießen meist auch großes Vertrauen. Genau diese lokale Verwurzelung ist ein riesiger Vorteil. Sie können Brücken bauen zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft. Und so schaffen sie es, weitere Akteure an einen Tisch zu bringen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, von denen am Ende die ganze Region profitiert.

    KSG: Inwiefern lassen sich die Ergebnisse der Studie auf andere Branchen oder Regionen übertragen und wo liegen die Grenzen dieser Übertragbarkeit?

    Debora Read: Was sich besonders gut übertragen lässt, ist die zugrunde liegende Logik des Prozesslogik – also die Abfolge, wie solche Initiativen entstehen, sich entwickeln und wie ihre Ergebnisse langfristig gesichert werden können. Am Anfang steht meist eine konkrete, lokale Problemstellung und die Frage: Was können wir hier pragmatisch ausprobieren? Häufig sind es Unternehmerinnen und Unternehmer, die hier die ersten Schritte machen – manchmal aus gesellschaftlicher Verantwortung heraus, manchmal aber auch, weil sie darin eine wirtschaftliche Chance sehen. In einem zweiten Schritt werden gezielt weitere relevante Akteure eingebunden: aus der Wirtschaft, aus öffentlichen Stellen und aus der Zivilgesellschaft. In dieser Phase geht es darum, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln oder weiterzuentwickeln, die einen echten gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. Langfristig stabil bleiben solche Lösungen dann aber nur, wenn sie auch wirtschaftlich tragfähig sind. Und hier kommen wieder Unternehmen ins Spiel. Denn selbst die Idee kann nur dann dauerhaft bestehen, wenn sie finanziell auf eigenen Beinen steht und nicht dauerhaft von Projektgeldern oder einzelnen Förderprogrammen abhängig ist.

    KSG:  Welche Entwicklungen erwarten Sie künftig im Bereich kollaborativer Wertschöpfungsmodelle?

    Prof. Dr. Andreas Hack Wir sind überzeugt, dass Zusammenarbeit in Zukunft noch viel wichtiger wird. Viele große Herausforderungen – wie der Umgang mit dem Klimawandel, soziale Ungleichheit oder die sichere Versorgung mit Energie und Gütern – kann niemand allein lösen. Dafür braucht es unterschiedliche Akteure, die gemeinsam an einem Strang ziehen. Gleichzeitig wird genau diese Zusammenarbeit schwieriger. Öffentliche Gelder werden knapper, die Gesellschaft ist teilweise stärker polarisiert, und auch Unternehmen stehen unter wachsendem wirtschaftlichem Druck. Das macht Kooperationen anspruchsvoller. Wir glauben deshalb, dass vor allem die Projekte erfolgreich sein werden, bei denen Unternehmerinnen und Unternehmer eine aktive Rolle übernehmen – nicht nur beim Start, sondern auch langfristig. Also dort, wo sie Verantwortung übernehmen und mithelfen, dass solche Kooperationen nicht nur wirtschaftlich funktionieren, sondern auch einen echten Mehrwert für die Gesellschaft schaffen.


    Vielen Dank für das Interview!