Im Rahmen der FGF Best Research Paper Awards auf dem G-Forum 2025 in Stuttgart wurden herausragende wissenschaftliche Beiträge im Bereich Entrepreneurship, Innovation und Mittelstand ausgezeichnet.
In der Reihe „FGF Research Insights: Award Winners“ geben die Preisträgerinnen und Preisträger Einblicke in ihre Forschung, zentrale Erkenntnisse und die Relevanz ihrer Arbeiten für Wissenschaft und Praxis.
Die Interviews stehen sowohl als Video als auch in schriftlicher Form zur Verfügung.
Norbert Szyperski Technologie- und Innovationsmanagement Award 2025
Interview mit Prof. Dr. Patrick Figge (Universität der Bundeswehr München), Prof. Dr. Carolin Häussler (Universität Passau) und Prof. Dr. Elisabeth Müller (IÉSEG School of Management)
In diesem Interview erläutern die Preisträgerinnen und Preisträger ihre ausgezeichnete Arbeit mit dem Titel „Breaking new ground: The constraining effect of experience and the driving force of founders“ und geben Einblicke in zentrale Ergebnisse und deren Bedeutung für Forschung und Praxis.
Interview (Textversion)
FGF: Worum geht es im Kern in Ihrem durch die Szyperski Stiftung ausgezeichneten Paper?
Prof. Dr. Patrick Figge: Im Kern untersucht die Studie ein Paradox des Lernens aus Erfahrung: Erfahrung kann Teams produktiver machen, aber sie kann auch dazu führen, dass Teams sich darauf beschränken, was sie schon immer getan haben. Wir zeigen, dass Teams mit erfahrenen Erfindern und mit viel gemeinsamer Erfahrung in der Zusammenarbeit dazu neigen, sich entlang der bestehenden technologischen Entwicklungspfade zu bewegen. Spannend wird es dort, wo Gründer selbst Teil des Erfinderteams sind. Gründer helfen Teams, neue technologische Wege zu betreten.
FGF: Was ist der wichtigste Beitrag Ihrer Arbeit zur Entrepreneurship-Forschung und gab es dabei Erkenntnisse, die Sie besonders überrascht haben?
Prof. Dr. Carolin Häussler: Wir haben hier den sogenannten Gründer-Erfinder untersucht also Gründerinnen und Gründer, die gleichzeitig die technologischen Köpfe des Gründungsteams sind. Wir haben gezeigt, wie entscheidend ihre Rolle für den Erfolg eines Start-ups ist, und dabei eine überraschende Erkenntnis gewonnen: Gründer-Erfinder können eingefahrene Erfahrungsroutinen in Teams durchbrechen; sogar in Bereichen, die sie selbst ursprünglich geprägt haben. Statt immer weiter auf dem gleichen Technologiepfad zu bleiben, initiieren sie neue Entwicklungsrichtungen und lenken sogar die Erfahrungseffekte ihrer Miterfinder in neue Bahnen.
Das war für uns besonders überraschend, weil es zeigt, wie stark einzelne Schlüsselpersonen nicht nur Innovationen treiben, sondern auch die Lernprozesse in Teams beeinflussen können. Hier haben wir hier eine Brücke zur Theorie des organisationalen Lernens geschlagen und gezeigt, wie wichtig solche Schlüsselpersonen für den langfristigen Erfolg sind.
FGF: Welche praktischen oder gesellschaftlichen Implikationen ergeben sich aus Ihrer Arbeit über die Wissenschaft hinaus?
Prof. Dr. Elisabeth Müller: Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Gründerinnen und Gründer auch in wachsenden Unternehmen nicht vorschnell aus zentralen Innovationsprozessen herausgezogen werden sollten. Gerade wenn Organisationen professioneller und routinierter werden, kann die aktive Einbindung von Gründern im Forschungsprozess helfen, strategische Richtungswechsel zu ermöglichen. Das ist besonders relevant in Zeiten schnellen technologischen Wandels, in denen Unternehmen lernen müssen, sich immer wieder neu zu erfinden.
Gesellschaftlich betrachtet geht es damit auch um das Gelingen von Transformationsprozessen und die Innovationsfähigkeit insgesamt. Wenn Erfahrung allein dominiert, droht Stillstand auf hohem Niveau. Wenn jedoch unternehmerisches Denken präsent bleibt, kann Transformation und Innovation gelingen.
FGF: Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung mit dem Norbert Szyperski Technologie- und Innovationsmanagement Award 2025 sowohl persönlich als auch im wissenschaftlichen Diskurs?
Prof. Dr. Patrick Figge: Persönlich freuen wir uns unglaublich, dass unsere Arbeit gewürdigt wurde und damit Teil einer Tradition wird, die an einen der wichtigsten Pioniere der deutschen Innovationsforschung erinnert.
Wissenschaftlich ist diese Auszeichnung für uns ein Zeichen dafür, wie relevant Fragen der Innovationsdynamik und der Rolle von Gründerinnen und Gründer momentan sind.
Vielen Dank für das Interview!
